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Time Out als Erinnerung für regelmäßige Bildschirmpausen

geschrieben am 19. Juli 2011 um 11:17 von Enno

Es gibt Verhaltensweisen, die gelten in der westlichen Gesellschaft allgemein als erstrebenswert. Viele dieser Verhaltensweise lassen sich zu den 10 Geboten 2.0 formulieren… und predigen. Bis zum Umfallen.

  1. Du sollst täglich 3 Liter trinken.
  2. Du sollst nach dem Essen das Zähneputzen nicht vergessen.
  3. Du sollst nicht so viel Fernsehen.
  4. Du sollst gerade sitzen.
  5. Du sollst 8 Stunden schlafen.
  6. Du sollst im Haushalt helfen.
  7. Du sollst 5 Stücken Obst pro Tag essen.
  8. Du sollst viel Sport treiben.
  9. Du sollst nicht so laut Musik hören.
  10. Du sollst dein Smartphone weglegen.

Ein weiteres für uns Dauer-Onliner könnte lauten „Du sollst regelmäßig Pausen machen, um deine Augen zu entlasten“. Und das stimmt leider auch so. Durch das ständige, konzentrierte Glotzen auf den Monitor blinzelt man zu wenig. Folge: die Augen werden trocken und ermüden. Nicht gut. Neben den Augen werden auch oft andere Körperpartien durch ungesunde Sitzhaltung in Mitleidenschaft gezogen. Ab und zu mal Aufstehen und ne Runde durch die Wohnung bzw. das Büro gehen wirken dem ein Stück weit entgegen.

Ganz ehrlich: ich habe nie drauf geachtet. Wenn ich am Rechner sitze, denk ich eh nicht dran. Liegt (in diesem Fall) nicht mal an mangelnder Disziplin, sondern einfach an der akuten Konzentration darauf, was man eben gerade so macht. Erst durch einen Beitrag von Caschy bin ich darauf aufmerksam geworden, dass eine regelmäßige Erinnerung durch ein kleines Programm Sinn macht. Caschy selbst stellt dabei „Workrave“ vor. Läuft allerdings nur unter Windows und Linux. Ich brauchte also eine Alternative für mein schniekes MacBook.

Time Out als Reminder zum Ölften der 10 Gebote 2.0

In den Kommentaren zu besagtem Beitrag bin ich dann recht fix auf Time Out gestoßen. Ein Programm, dass sich in einstellbaren Zeitabständen bemerkbar macht. Inwiefern? Ein Fullscreen-Fenster, das langsam einfadet und den Bildschirmhintergrund verdunkelt.

So sieht's aus

So sieht's aus

Das schöne an Time Out ist, dass es neben den normalen Pausen auch „Micro“ Breaks kennt. Zur Erklärung: Normal Breaks sind konzeptionell eher auf ≈10-minütige Pausen ausgelegt, in denen man sich kurz bewegt, aufsteht und Kaffee macht. Diese tauchen einmal pro Stunde auf.

Micro Breaks dagegen haben ein wesentlich höheres Nervpotential, da sie ungefähr alle 10 Minuten auftauchen. Zwar nur für 10 Sekunden, aber naja… in einer heißen Konzentrationsphase ist jede Ablenkung 17 zuviel. Darum hab ich die Dinger am Anfang auch ausgestellt. Kurze Zeit später hab ich mich aber dazu durchgerungen, es mal zu probieren. Fazit: wirkt Wunder. Dazu aber weiter unten mehr.

Meine Leidensgeschichte

Ich muss kurz ausholen, um eine persönliche Komponente in diesen Blogpost zu bringen. Ich bin eigentlich Brillenträger. Im Kindergarten wurde bei einem Sehtest mal festgestellt, dass mein rechtes Auge ziemlich Schrott ist. Dadurch, dass mein linkes Auge dagegen noch recht fit ist, ergeben sich einige lustige Effekte und Geschichten, die aber an dieser Stelle etwas zu weit führen würden.

Jedenfalls trug ich fortan eine Brille. Hab aber irgendwann aufgehört. Sah halt doof aus.

2. Klasse mit Powerlocke und maskulinster Brille ever

2. Klasse mit Powerlocke und maskulinster Brille ever

Folge: Augen wurden schlechter… NICHT. Wirklich nicht. Mangels Brille (=Unterstützung bei der Sehfehlerkorrektur) musste sich meine Augenmuskulatur mehr anstrengen. Dadurch hat mein linkes Auge quasi ein Augenmuskel-Sixpack bekommen. Und dadurch wiederum wurden meine Augen nativ besser. Genial 😀

Ich schweife ab. Jedenfalls würde mir jeder gescheite Augenarzt heutzutage eine Brille empfehlen, weil mein rechtes Auge halt immer noch Schrott ist. Ich habe aber keinen Bock drauf. Um mich herum sehe ich aber mehr und mehr, wie Leute in meinem Alter auf einmal Brillen tragen müssen.

Um dem vorzubeugen macht es durchaus Sinn, wenn man mit ein ganz bissl Aufwand dafür sorgt, dass dieser Zeitpunkt bei einem selbst so weit nach hinten geschoben wird, wie nur irgend möglich. Dafür habe ich jetzt Time Out gefunden. Das Schöne daran ist: man kann alles konfigurieren.

Meine Time Out Strategie

Um euch einen Anhaltspunkt zu geben, wie man damit umgehen könnte, zeig ich jetzt mal auf, wie ich es verwende.

Micro Breaks

Ich nutze die Micro Breaks. Alle 10 Minuten erscheint ein Hinweis, dass ich 15 Sekunden Pause machen soll. Was soll man in 15 Sekunden machen? Kurz strecken und aus dem Fenster gucken. Warum?

Die Augenmuskulatur wird starr, sobald ihr vor dem Monitor sitzt. Sie muss sich nur auf die 30-50cm einstellen, die man eben die ganze Zeit vom Bildschirm entfernt sitzt. Das ist anstrengend. Versucht ihr mal 10 Minuten lang ein Glas Bier mit ausgestrecktem Arm zu halten. Dann habt ihr einen ungefähren Eindruck davon, was das Auge so leistet 😀

Durch die 15-sekündige Unterbrechung kann sich die Muskulatur entspannen. Darum ist auch das aus dem Fenster schauen notwendig. Einfach mal verschiedene Punkte in verschiedener Entfernung fokussieren. Ist quasi wie ein Durchschütteln der Muskeln. Bringt’s!

Wichtig: regelmäßiges Ändern des Augenfokus

Wichtig: regelmäßiges Ändern des Augenfokus

Der Nachteil liegt auf der Hand: in stressigen Phasen nimmt man sich keine Zeit dafür. Man will mit dem, was man tut, fertig werden. So schnell wie’s geht. Da nerven diese „erweiterten Popups“. Aber das muss dann mal gehen.

Übrigens kann man in den 15 Sekunden Pause auch immer mal einen Schluck Wasser zu sich nehmen. Dadurch erreicht man als Nebeneffekt auch noch die Einhaltung des ersten Gebots (siehe oben) 😉

Normal Breaks

Die normalen Pausen habe ich in 10-minütigem Umfang auf alle 90 Minuten eingestellt. Alle 60 Minuten wäre vorbildlicher. Aber irgendwann fängt’s wieder an zu nerven. Wahrscheinlich werde ich als Kompromiss noch auf 75 Minuten runter gehen.

Was mache ich in diesen 10 Minuten? Aufstehen, Keks Essen, Tee machen, bissl aufräumen… was eben so ansteht an wenig zeitintensiven Aktivitäten.

Die Einstellungen

Biddefön:

Einstellungen für Micro Time Outs

Einstellungen für Micro Time Outs

Einstellungen für Normal Time Outs

Einstellungen für Normal Time Outs

Ich habe übrigens auch die Fading-Optionen ein bisschen angepasst. Beim Verdunkeln des Hintergrunds verwende ich jetzt tatsächlich schwarz statt dem Default-Grau.

Einstellungen für das Erscheinungsbild

Einstellungen für das Erscheinungsbild

Fazit a.k.a. die Wirkung auf mich

Gerade in den letzten Wochen der Prüfungsphase saß ich jeden Tag nur vorm Rechner, habe Lernzettel geschrieben oder eben für ne praktische Prüfung programmiert. Wenn ich dann abends mit meinem Mädel noch mal raus spazieren bin, habe ich gemerkt, wie sehr das meine Augen mitnimmt. Vieles war unscharf, die Augen waren empfindlicher gegenüber Wind, etc.

Das hat mir echt Sorge bereitet. Da kam mir oben erwähnter Beitrag von Caschy gerade recht. Und das coole: es wirkt. Wirklich. Durch das regelmäßige Entlasten der Augen und Sitzmuskeln sind weder Augen noch Rücken am Abend im Arsch.

Es ist toll mal Sachen zu machen, von denen man immer hört, dass man sie machen sollte (siehe 10 Gebote 2.0), wenn sie auch sofort Wirkung zeigen. Ich find’s wirklich genial – hatte ich das schon erwähnt? – und werde so schnell nicht wieder drauf verzichten.

Ich hoffe, ich war euch eine Inspiration und ihr tut es mir gleich 😉



Kommentare (6)

Pipo

geschrieben am 19. Juli 2011 um 11:53

1. Whaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaat?! Bist du das auf dem Foto!? OMG! WTF! XD
2. Ich als neuer Brillenträger kann nur sagen: Ich bekomme so viele Komplimente, ich hätte schon viel früher meine Augen kaputt machen sollen oder eine Brille mit reinem Glas tragen sollen XD

Enno

geschrieben am 19. Juli 2011 um 12:19

1. Yo 😉
2. Mach meine Beiträge nich obsolet!!!!! >:( 

Saskia

geschrieben am 22. August 2013 um 11:04

Hallo Enno! Gute Sache, genau, was ich suche. Funzt leider nur mit Mac. Kennst Du was Ähnliches für Windows?

Enno

geschrieben am 22. August 2013 um 11:08

Leider kenne ich nichts.
Allerdings habe ich das Programm mittlerweile auch wieder deinstalliert und schaue, dass ich so in regelmäßigen Abständen mal kurz durch's Büro laufe und aus dem Fenster schaue 🙂

Christoph

geschrieben am 3. September 2014 um 11:44

Alternative für Windows, ebenfalls mit Übungsanleitungen ist WorkRave

Simon

geschrieben am 3. Juni 2015 um 15:45

Danke, wirklich sinnvoll. Ich bin gespannt, ob ich es durchsetzen kann dass ich a) es auch mache und b) meine cheffin es erlaubt 😉