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Design

RE: 50 Gründe Photoshop NICHT für Webdesign zu verwenden

geschrieben am 19. Mai 2011 um 21:12 von Pipo

Eine der wenige Dinge, die von Anfang bei der Planung dieses Blogs feststanden, war die Rollenverteilung: als PHP-Junkie würde Enno sich um die technische Realisierung kümmern und als alter Photoshop-Fuchs würde ich mich dem Design widmen. Auch wenn das Design letzten Endes doch eine Gemeinschaftsproduktion wurde, möchte ich euch meine gesammelten Erfahrungen in dem Prozess nicht vorenthalten. Der lief nämlich folgendermaßen ab:

Google angeschmissen, Inspiration geholt, Photoshop gestartet und das Design entworfen. Und verändert. Und neu entworfen. Und verbessert. Und rückgängig gemacht. Und skaliert. Und gedreht. Und dupliziert. Und gemalt. Und radiert. Und Kaffe getrunken. Und und und… bisher nutzte ich Photoshop hauptsächlich zum Zeichnen und zur Fotobearbeitung und in diesen Bereichen liebe ich Photoshop! Das vielfache skalieren, verschieben, bearbeiten und vor allem wieder verwenden einfacher UI-Elemente erschien mir in Photoshop aber unnötig und kompliziert. Wehleidig erinnerte ich mich an meinen gewohnten Flash-Workflow in dem sich wiederkehrende UI-Elemente bei jeder Veränderung automatisch aktualisierten, wenn man die Grafiken vorher in Symbole konvertierte. Aber eine Internetseite in Flash erstellen…? Die Flash IDE ist zwar durchaus auch dazu da interaktive Oberflächen zu gestalten, aber immer erst Vektorobjekte in MovieClips umwandeln, wenn ich nur ein paar Effekte wie Schlagschatten anwenden wollte, war mir auch zu umständlich.

Also Google angeschmissen. Wieder einmal. Und irgendwann bin ich auf den Artikel „50 Gründe Photoshop NICHT für Webdesign zu verwenden“ von André Reinegger gestoßen. In diesem Artikel stellt André in einem kurzen Video den Workflow von Adobe Fireworks vor und erklärt in (über) 50 Punkten, warum sich Fireworks mehr für Screendesign eignet als Photoshop. Bis zu diesem Punkt habe ich nie wirklich verstanden wofür Fireworks eigentlich da ist. Eine Art Bildbearbeitungsprogramm fürs Web, eigentlich wie Photoshop, nur schlechter, war – wie für viele – meine ursprüngliche falsche Einschätzung des Programms. Langsam aber verstand ich was Fireworks wirklich bedeutete. Kein Photoshop fürs Web, sondern eher ein InDesign fürs Web. Es ging mehr um Layout, als um Grafikbearbeitung. Gleichzeitig besitzt Fireworks aber vereinfachte Pixelgrafikwerkzeuge wie in Photoshop und vereinfachte Vektorgrafikwerkzeuge wie Illustrator. Aber es besitzt auch eine Flash-ähnliche Handhabung was die Verwendung von Symbolen betrifft. Klingt nach einem wilden Potpourri aus verschiedensten Adobe-Produkten? So ganz konnte ich den Gedanken jedenfalls nie abstreifen. Dass das nicht ohne Probleme ablaufen kann, ist klar.

Adobes ungeliebtes Kind

Fireworks muss zu Adobes ungeliebten Kindern zählen, was man auch deutlich an den Benutzerzahlen erkennt. Die Zahl der Leute, die Photoshop zum Entwerfen von Screendesign benutzen überwiegt klar die Zahl derjeniger, die Fireworks dafür benutzen – einem Programm welches für Screendesign geschaffen wurde! Das dürfte bei vielen daran liegen, dass sie Fireworks nicht kennen, aber dafür viel Erfahrung in Photoshop haben. Das war zumindest mein Beweggrund ursprünglich zu Photoshop zu greifen. Aber Andrés Artikel listet genug Vorteile von Fireworks auf, um nicht doch einmal in dieses Programm reinzuschnuppern. Leider ließ Andrés Artikel viele gute(!) Gründe aus, warum man Fireworks NICHT für Webdesign verwenden sollte. Ein Schelm wer denkt, dass er sie bewusst weggelassen hat 😉 Fireworks Nachteile liegen allerdings nicht in den Funktionen des Programms, sondern an den zahlreichen Bugs, Performanceproblemen und Usability-Schnitzern. Adobes ungeliebtes Kind halt… Eine kleine Auswahl möchte ich nun vorstellen.

17 Gründe Fireworks NICHT für Webdesign zu verwenden

  1. Keine volle Mausradunterstützung: Es ist bspw. nicht möglich in der Dokumentenbibliothek mit dem Mausrad zu scrollen. In der Allgemeinen Bibliothek ist es aus irgendeinem Grund wiederum schon möglich. Wie dem auch sei: In beiden kann ich die Symbole nicht mit den Pfeiltasten durchschalten. (Hmm, wäre das nicht schon ein neuer Punkt…?)
  2. Pfeiltasten, anyone?: In der Dokumentbibliothek und der Allgemeinen Bibliothek kann ich die Symbole nicht mit den Pfeiltasten durchschalten.
  3. Fehlerhaftes Konvertieren von Grafiken in Symbole: Jegliche Art von Ordnerstrukturen gehen bei der Konvertierung in ein Symbol verloren. Alle Objekte befinden sich nach der Konvertierung innerhalb des Symbols in einer Ordnerebene.
  4. Uneinheitliche Benutzung im Vergleich zu anderen Adobeprodukten: Befindet man sich in Photoshop in einem Ordner und legt einen neuen Ordner an, so befindet sich der neue Ordner innerhalb des Ordners, in dem man sich vorher befand. In Fireworks liegt der neue Ordner auf der gleichen Ordnerebene wie der ursprüngliche Ordner. Der neu erstellte Ordner muss jedes Mal händisch in den ursprünglichen Ordner verschoben werden.
  5. Fehlerhaftes Konvertieren von Grafiken in Symbole – 2: Bestimmte Mischmodi-Effekte werden nach dem Konvertieren nicht mehr korrekt vom Symbol dargestellt. Geht man jedoch in das Symbol hinein (Doppelklick), werden sie wieder wie gewohnt angezeigt.
  6. Uneinheitliche Benutzung im Vergleich zu anderen Adobeprodukten – 2: Das Skalieren eines Objektes ist bei ausgewähltem Skalierwerkzeug nur an dessen Ankerpunkten möglich. In Photoshop ist das Skalieren auch über den Objektrand möglich. Ein klarer Vorteil bei besonders großen Objekten, weil man eher den Rand findet als den Ankerpunkt.
  7. Probleme mit der 9-Slice-Skalierung: Wenn man ein Symbol per Doppelklick öffnet, sieht man die ursprüngliche Seite auf der sich das Symbol befindet halbtransparent im Hintergrund. Allerdings nur wenn für das Symbol die 9-Slice-Skalierung nicht aktiviert wurde.
  8. Performance: Fireworks ist wirklich langsam. Es ist so langsam, dass der Benutzer teilweise noch für 1 oder 2 Sekunden die Eigenschaftswerte eines alten Objektes sieht, wenn man ein anderes auswählt. (Und dabei heißt es immer Flash sei schon langsam!)
  9. Kein Spaß mit Zahlen: Ich arbeite gerne numerisch und mit Zahlenfeldern. In Flash einen Körper mit der Eingabe „200+17“ ins Feld „Breite“ auf den Wert „217“ bringen? Kein Problem. Und in Fireworks? Muchos problemos!
  10. Kein Spaß mit Zahlen – 2: In Flash in das Zahlenfeld klicken und mit den Pfeiltasten die Werte verändern? Kein Problem. Und in Fireworks? очень плохо!
  11. Unvollständige Photoshop-Effekte: Andrés schrieb in seinem Artikel „Es gibt 1 zu 1 die gleichen Ebenenstile (heißen [in Fireworks] Photoshop-Live-Effekte) und zusätzlich noch zahlreiche eigene  Fireworks Stile bzw. Effekte.“ Stimmt so leider, leider nicht wirklich. In den Photoshop-Live-Effekten gibt Fireworks die Mischmodi vor. Ein negativmultiplizierter Schlagschatten ist in Fireworks somit nicht möglich (zumindest in den Photoshop-Live-Effekten).
  12. Das Stiftwerkzeug: Ich finde es schön, dass Fireworks rudimentäre Vektorwerkzeuge besitzt, aber warum fasst man das Stift-Werkzeug, das Ankerpunkt-hinzufügen-Werkzeug, das Ankerpunkt-entfernen-Werkzeug und das Ankerpunkt-konvertieren-Werkzeug wie sie in jedem Vektorprogramm existieren zu einem einzigen zusammen? Um einen Ankerpunkt zu löschen, muss man ihn bspw. aus diesem Grund erst konvertieren.
  13. Uneinheitliche Benutzung im Vergleich zu anderen Adobeprodukten – 3: Obwohl Ordner in Fireworks wie Illustrator einen Selektierpunkt besitzen, werden beim Klick auf diesen nicht die Objekte in diesem Ordner selektiert. Okaaaay… macht Sinn… nicht…
  14. Parametereingabe bei Symbolen: Obwohl es schön ist Symbole über Parameter zu steuern, ist es mir persönlich zu umständlich den Hexadezimalcode einzutippen, wenn ich die Farbe eines Objekts in einem Symbol auf diese Weise verändern möchte.
  15. Fireworks  interne Symbolbibliothek: Ich selbst hatte einige Probleme beim Erstellen der Symbole, vor allem was die 9-Slice-Skalierung betrifft. Anscheinend ging es den Fireworks-Programmierern nicht anders. Das sich die Scrollbars des vorgefertigten Symbols „Textbereich“ beim Skalieren nicht verschieben habe ich schon erwartet.
  16. Dateiexport: Möglicherweise bin ich zu doof um meinen Fehler zu finden, aber wenn ich „Datei -> Exportieren“ und hier „Seiten in Dateien, Bilder“ und „Dateityp“ .jpeg auswähle erhalte ich nur .gif’s.
  17. Datei-Export – 2: Noch einmal an Andrés  „Es gibt 1 zu 1 die gleichen Ebenenstile“ erinnert ärgert es mich im Nachhinein sehr, dass die Photoshop-Live-Effekte nicht 1 zu 1 konvertierbar sind. Möchte seine Fireworks .png als .psd exportieren, muss man sich entscheiden: entweder man behält volle Editierbarkeit der Objekte (z.B. von Textfeldern) und verliert eventuell bestimmte Effekteinstellungen oder alle man verzichtet auf Editierbarkeit und erhält die optisch gleichen Grafiken sowohl in der .psd als auch in der .png.

Und jetzt kommt die Pointe!

Pointe

Da war sie auch schon! Nein, nicht ganz. Mein Endfazit: So sehr ich auf Photoshop stehe und so sehr ich auch bei Fireworks bereits in der kurzen Nutzzeit geflucht habe – Fireworks bleibt immer noch das bessere Programm für Screendesign. Warum? Das könnt ihr hier nachlesen: „50 Gründe Photoshop NICHT für Webdesign zu verwenden„. Wollte ich nicht von Anfang an darauf hinaus? 😉

Und noch ein Fun Fact am Rande: Die Logos und Startscreens von Adobe CS5 wurden weder in Photoshop, noch in Illustrator erstellt, sondern in Fireworks!



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