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Software

OS X Lion: Hier ist mein „Hat noch viele Fehler“-Blogpost

geschrieben am 22. Juli 2011 um 18:22 von Enno

Jepp, jepp, jepp, seit gestern ist Lion draußen. Selbstverständlich hab ich es mir sofort installiert. Mir war allerdings – wahrscheinlich im Gegensatz zu so manch andrem – von vornherein klar, dass es Startschwierigkeiten geben wird. Ist halt so bei einem neuen OS. Ich werde hier mal dem interessierten Blogleser meine bisherigen Erfahrungen schildern. Achtung: Meckerbeitrag.

Das „natürliche“ Scrollen

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich es in einem meiner Beiträge zur WWDC-Keynote hab verlauten lassen: Lion scrollt von Haus aus so, wie auf den iDevices. Apple nennt das „natürliches Scrolling“. Dabei steuert man beim Scrollen selbst nicht mehr länger den Bildschirmausschnitt, sondern den Inhalt. Wie bitte?

Beispiel Webseite. Wenn man weiter nach unten scrollen möchte, hat man bisher das Scrollrädchen nach unten gedreht. Man hat also den Bildschirmausschnitt nach unten bewegt. Mit Lion wurde dieses Denken aber umgekehrt. Um jetzt nach unten zu scrollen muss man das Scrollrädchen nach oben drehen. Man bewegt also den Inhalt.

Vorteil: ist natürlicher + Angleich an die iOS-Welt.
Nachteil: es ist einfach ungewohnt, wenn man >10 Jahre lang andersrum gescrollt hat. Der Scrollbalken bewegt sich quasi entgegen der eigenen Fingerbewegeung. Ulkig.

Ich wollte es versuchen, wollte mich dran gewöhnen, hab’s aber heut morgen wieder ausgestellt. Nervt halt beim Produktivseinwollen zu sehr.

Änderungen im grundlegenden Design

Apple hat so einige Design-Änderungen einfließen lassen. Ein paar davon gefallen mir nicht so gut, andere sind ganz cool. So gefallen mir z.B. die neuen Badges (iOS-like) an den Programm-Icons sowie die Standard-Buttons (weniger abgerundet).

neue Badges

neue Badges

neue Buttons

neue Buttons

Was mir weniger gut gefällt, ist das Design der Schnellvorschau (über die Leertaste). Ein in Snow Leopard schwarzes Fenster wurde in Lion durch ein weißes ersetzt. Farblich ungünstig gewählt. Hebt sich manchmal nur sehr schwer vom Hintergund ab.

neue Vorschau-Ansicht

neue Vorschau-Ansicht

Ebenfalls reudig finde ich das Redesign von iCal. Während dieses Leder-Design beim Adressbuch noch ganz gut geht, macht es iCal eindeutig schlechter als vorher. Statt einer Übersicht über all meine Kalender und den aktuellen Monat bekomme ich nun meine Erinnerungen eingeblendet. Unnötig. Schade. Habe iCal immer sehr gern benutzt.

iCal-Redesign

iCal-Redesign

Und noch eine letzte Sache, die wahrscheinlich das ein ums andere Mal nerven wird: viele Icons sind nur noch in einer Art Graustufen vertreten. Über den Design-Aspekt des Ganzen lässt sich streiten, jedoch ist es für mich ein Usability-Fehler. Die neuen Icons sind auf den ersten Blick nicht mehr schnell genug zu unterscheiden. Nicht gut.

neue Icons im Finder

neue Icons im Finder

Das ulkige dabei ist, dass die Icons im Menü „Gehe zu“ (in der Menüleiste) noch farbig sind O_o

Alles neu

Mit dem Update auf Lion wurden auch ein paar Benutzereinstellungen gelöscht. Was ein Apple-Mitarbeiter sicherlich verständlich zu begründen weiß, ist für den Benutzer einfach blöd. Ich z.B. bin jemand, der sehr viel mit der Suche arbeitet. Geht für mich einfach am schnellsten. Jedoch müssen die Indizes neu gesetzt werden. Indizes? Mehrzahl von „Index“. Den Index braucht der Suchalgorithmus um euch die Suchergebnisse schneller anzeigen zu können.

Bei 200 GB an Daten dauert das Neuindizieren allerdings ein wenig, so dass ich die ersten 2 Stunden meiner Lion-Erfahrung ohne Suche verbringen musste 🙁

Neuindizierung: bei mir hat's 2 Stunden gedauert.

Neuindizierung: bei mir hat's 2 Stunden gedauert.

Ebenfalls gelöscht sind meine Passwörter im Chrome (keine Ahnung warum) und die Berechtigungen verschiedener Anwendungen („…eingehende Netzwerkverbindungen erlauben?“). Warum weiß ich nicht, stört mich aber nicht sooooo sehr. Das mit den Indizes war aber schon ein bissl öde. Da freut man sich auf sein frisch erstandenes OS-Upgrade und kann’s nicht so nutzen, wie man gern möchte…

Programme und ihr Lion-Support

Ein Betriebssystem steht und fällt heutzutage mit den Programmen, die darauf laufen. Genau deshalb gibt Apple auch lange vor dem eigentlichen Release Developer-Versionen raus. Entwickler sollen ihre Programme auf die Änderungen des kommendes Betriebssystems vorbereiten. Und genau das klappt – gefühlt – nur mäßig.

Gut, bei nem Großteil klappt es. Sparrow, 1Password und Versions haben entsprechende Updates rausgehauen. Bei anderen ist es nicht so schlimm, weil alles so funktioniert wie vorher – trotz des OS-Upgrades. Bei einigen wenigen Programmen jedoch macht sich die fehlende Anpassung bemerklich. Leider. Und das schmerzt. Immerhin hat man für einige davon teures Geld gelassen.

Dabei meine ich nicht mal, dass neue Features wie Fullscreen-Modus, Versionen und Auto-Save nicht implementiert sind. Die Programme sind einfach nicht an gewisse Gegebenheiten angepasst.

Path Finder

Path Finder ist eine Alternative zum mit jedem Apple-OS ausgeliefertem Finder (quasi der Windows Explorer für Mac). Bis auf ein paar Macken liebe ich dieses Programm. Es bringt Tabbed Browsing, echtes Ausschneiden und Anzeige von Ordnern als erstes (wie bei Windows). Jedoch muss Path Finder – so vermute ich – für diese Funktionalität einiges Tweaken. Dazu gehört auch der Schreibtisch/Desktop. Path Finder greift nicht auf den Finder-Desktop zurück sondern schafft sich einen eigenen. Kein größeres Problem für mich.

Allerdings gibt es in Lion diese richtig supi-dupi-mega-hyper-coole neue Funktion namens „Mission Control“. Eine Multitouch-Geste führt zur Übersicht aller Fenster, Spaces und Fullscreen-Apps. Dabei muss jedoch der Desktop ausgeblendet werden. Und genau das kriegt Path Finder nicht hin.

Path-Finder-Bug: links sieht man wie es sein sollte, rechts wie es ist.

Path-Finder-Bug: links sieht man wie es sein sollte, rechts wie es ist.

[UPDATE]Just in diesem Moment erhalte ich ein Update, das besagten Fehler behebt. VIELEN DANK![/UPDATE]

Google Chrome

Obwohl ich die Beta-Versionen von Googles Chrome laufen habe, sind doch noch einige Aspekte offen. Der Fullscreen-Mode – nicht, dass ich ihn wirklich bräuchte – ist zum Beispiel nicht wirklich implementiert. Mal funktioniert’s, meist aber nicht. Ulkige Sache.

In Verbindung mit mehreren Spaces haut auch nicht alles so hin, wie es soll. Ich konnte gestern sogar kurzzeitig gar nicht mehr auf meinen Chrome zu greifen. Immer, wenn ich zum zweiten Space, auf dem Chrome lief, gewechselt habe, wurde ich automatisch zurück zum ersten geschickt. Bin mal gespannt, wie sich das entwickeln wird.

Chromanie

Chromanie

Skitch

Das Programm, um Screenshots zu bearbeiten: Skitch. Leider fehlt dort auch noch der Lion-Support. Wenn man an den Ecken versucht das Fenster zu skalieren, skaliert man leider das Bild. Eine Vergrößerung oder Verkleinerung des Fensters ist momentan nicht möglich! Fail Skitch, fail!

Photoshop

Kennste, ne? Hier macht sich das Lion-Upgrade ebenfalls bemerkbar, allerdings in weniger störendem Ausmaß. Der einzige Bug, der mir bis jetzt untergekommen ist, ist ein falscher Mauszeiger. Je nachdem, welches Tool man hat (Verschieben, zuschneiden, auswählen, …) hat man ja unterschiedliche Mauszeiger-/Cursor-Typen. Und da werden gelegentlich mal die falschen angezeigt, allerdings auch nur für kurze Zeit. Nichts, was den Workflow behindert, jedoch anfangs irritiert. Außerdem ist es einfach ein Bug, Punkt.

Auch Kleinvieh macht Mist

Das Bugs, die am meisten de-euphorisieren, sind die zahlreichen kleinen. Ausschnitt gefällig?

  • Die Animationen laufen nicht immer rund. Mitunter kommt es beim Wechseln von Programmen und Spaces zum Aufblitzen des Vordergrundfensters. Manchmal kommt es nicht mal dazu und das eigentlich gewünschte Fenster bleibt seelenruhig im Hintergrund.
  • Fehlende Lokalisierung (=Übersetzung) in selten gebrauchten Menüs.
  • Die Sonderfunktionen der aktiven Ecken (z.B. Dashboard in der unteren linken und Launchpad in der unteren rechten Ecke) lassen sich manchmal erst beim zweiten Versuch aktivieren.
  • Bei Verwendung von multiplen Hintergrundbildern (z.B. Wechsel alle 30 Minuten), lässt die Menüleiste gelegentlich noch den alten durchscheinen, während der Desktop schon das Neue zeigt.

Fazit

Man sieht also, dass Apple hier noch ein bisschen Arbeit vor sich hat. Ich bin demgegenüber allerdings optimistisch. Viele Missstände (3x „s“) sind wie beschrieben auch auf die Programmentwickler zu schieben. Aber das wird schon noch. Ich habe ja kaum ausgeschrieben, dass Path Finder Fehler hat, schon kam das Update. Also: Optimismus!

Bei den Screens habe ich übrigens mal wieder fleißig Hilfe vom Karsten bekommen. Vielen Dank.
Das Bild der Chrome-Frisur ist unter CC von mayhem.



Kommentare (5)

ein User

geschrieben am 23. Juli 2011 um 00:24

Die grauen Icons sind wirklich sehr ärgerlich, das war schon in iTunes ein Fehlgriff.

geschrieben am 25. Juli 2011 um 08:43

So also ich find den Lion echt gelungen. Mail gefällt mir als Neuerung am besten und dass ich die verschiedenen Arbeitsplätze jetzt durch seitliches scrollen erreiche ist für mich eine absolute Verbesserung. Vorher habe ich das kaum genutzt, aber so passt es und geht schnell von der Hand. Probleme kann ich nur bei manchen Problem feststellen (TeamViewer, SpamSieve), die erst nach Neuinstallation wieder ordentlich funktionierten. ICal in Lederoptik ist nicht so mein Geschmack aber die farblosen Symbole im Finder stören mich jetzt nicht weiter. Launchpad find ich auch sehr gut, denn den Programmordner hatte ich vorher auch eher gemieden. Was ich brauchte war immer direkt in der unteren Leiste auf dem Bildschirm. So hat man mehr direkten Kontakt zu den Programmen und verliert nicht so schnell den Überblick über Dinge, die man nicht so oft braucht. Bei manchen Systemprogrammen wusste ich manchmal nicht mehr dass ich sie noch habe. Alles in Allem finde ich Lion sehr gelungen und langsam geht auch das natürliche scrollen schon ins Blut über. Doof wird's dann nur wenn ich an unterschiedlichen Rechnern arbeiten muss. 🙂 Installation lief auch ohne Probleme. Gruß Bö.

Enno

geschrieben am 25. Juli 2011 um 10:09

Schön, dass man mal jemanden findet, der zur Abwechslung mal von Lion begeistert ist^^ Ich find leider immer wieder Sachen, die mich stören.
Die Neukonzeptionierung der Spaces ist der Hammer, das stimmt. Ich find sowieso Mission Control ist die Neuerung. Hatte ich mich auch vorher schon saftig drauf gefreut.
Dass Mail besser ist, glaube ich. Benutze aber Sparrow als Client, kriege davon also nix mit.
Launchpad ist an sich ganz lustig, werde ich aber vermutlich nur selten gebrauchen , ich mache wie gesagt viel über Suche. Das geht mMn schneller. Für nicht ganz so Tastatur-fixierte Anwender aber sicherlich genial.

Am meisten nerven mich zur Zeit eigentlich die Gesten. Bei Snow Leopard waren die flexibler konfigurierbar, in Lion kann man nur noch auswählen ob mit 3 oder 4 Fingern, die Gesten aber sind vorgegeben.
In Snow Leopard war es auch so geregelt, dass man eine Geste ausführt (z.B. um den Schreibtisch zu zeigen) und nochmaliges Ausführen dann wieder alles andere eingeblendet hat. Das funzt unter Lion nicht mehr. Dort muss man immer die entgegengesetzte Geste ausführen. Ist eine mMn unnötige Änderung, der etwas Gewöhnung bedarf.
Außerdem klappt bei mir die Trennung zwischen der 4-Finger-Wischen und 3-Finger-mit-Daumen-Aufziehen nicht ganz sauber. So kommt manchmal Mission Control, obwohl man den Desktop haben wollte -.-

Und kleinere Sachen wie dass aktive Ecken erst beim zweiten Mal reagieren oder das Ziehen eines Auswahlrechtecks auf dem Desktop manchmal nicht ganz sauber funktioniert, stören mich auch.

Sind aber sicherlich alles Kinderkrankheiten, die hoffentlich nach und nach ausgemerzt werden. 10.7.2 soll ja demnächst kommen 😉

Pooly

geschrieben am 4. August 2011 um 21:23

Also ich bin von Lion wieder auf Snow Leopard umgestiegen.
Mir gefiel da auch so einiges nicht mehr, habe auch etwas im Blog darüber geschrieben: http://www.pooly.net/bye-bye-mac-os-10-7-lion/

Wohin mein Weg führen wird, weiss ich allerdings noch nicht...

Enno

geschrieben am 4. August 2011 um 21:30

Hast ja in deinem Post selbst geschrieben, dass die 0er-Versionen Buggy sind. Ich kenne Apple was deren Produkte angeht vor allem als nutzerorientierten Konzern. Von daher hoffe ich, dass zukünftige Updates Besserungen bringen. Und von daher gehe ich mal ganz arrogant davon aus, dass auch du dich eines Tages dazu durchringen wirst, wieder Lion zu installieren. Zumindest hoff ich, dass das System soweit verbessert wird 😉