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MySpace für magere 35 Millionen Dollar verkauft

geschrieben am 30. Juni 2011 um 16:46 von Pipo

Für Rupert Murdoch hätte alles so schön sein können. Der 80jährige Medienmogul und 6fache Milliardär schien auch bei den Neuen Medien ein gutes Händchen zu haben und setzte bereits 2005 auf soziale Netzwerke. In diesem Jahr kaufte Murdoch für 580 Million Dollar MySpace, welches im Jahr 2006 100 Millionen Mitglieder verzeichnete. Zum Vergleich: Facebook besaß im gleichen Zeitraum nur sieben Millionen Nutzer. Fünf Jahre später sieht alles anders aus. Facebook ist mittlerweile die meistbesuchteste Webseite der Welt [Stand: 30. Juni 2011] und MySpace musste für 35 Millionen verkauft werden. Ein Rückblick.

Rupert Murdoch ist Gründer, Vorsitzender und CEO von News Corporation, einem der weltweit größten Medienkonglomerate, bestehend u.a. aus The Times, The Sun, 20th Century Fox, Jamba! und IGN Entertaiment um nur einige Medienunternehmen zu nennen. The Daily, die erste komplett für das iPad entwickelte Tageszeitung, geht ebenfalls auf sein Konto. Experten schätzen, er kontrolliere 2% aller Medien weltweit. Wenn Murdoch sich einem Projekt zuwendete, schien ein Erfolg immer gewiss, unbedeutend ob es aus der TV-, Musik-, Zeitungs- oder Internetbranche käme. Als er im Juli 2005 MySpace für 580 Millionen Dollar kaufte, war es das größte soziale Netzwerk im Internet. Nahezu von Beginn an war MySpace Musik orientiert. So landete die ehemalige Schülerband Arctic Monkeys 2005 auf Platz 1 der UK-Charts – dies gelang ihnen ohne Plattenvertrag und zu großen Teilen durch ihren Auftritt bei MySpace. Ja, der Hype, der sich um und in MySpace entwickelte, brachte sogar imaginären Bands Plattenverträge mit dem Manager von Oasis und The Libertines ein. Der perfekte Ort also um Murdochs eigene Medien noch erfolgreicher zu verbreiten.

Rupert Murdoch, 2011 (Quelle: Wikipedia)

Rupert Murdoch, 2011 (Quelle: Wikipedia)

Zu Beginn verzeichnete MySpace eine Wachstumsrate von 250.000 Benutzern pro Tag. Im August 2006 wurde die 100-Millionen-Mitglieder-Marke durchbrochen und 2009 waren es über 250 Millionen Mitglieder. Wie bereits erwähnt war Musik de Schlüsselfaktor der Erfolgswelle von MySpace. Während sich am Anfang vor allem kleine Künstler über den Internetdienst einen Namen machten, wurde die Entwicklung von MySpace als Musikdienst durch Murdoch immer weiter kommerzialisiert. Er gründete MySpace Records um MySpace-Talente selbst zu vermarkten und erweiterte das Angebot bald daraufhin nicht nur für Musik, sondern auch für Videos. Wie News Corporation orientierte sich auch MySpace nach der Übernahme hauptsächlich am amerikanischen Markt. Als Facebook 2008 mit der Anzahl ihrer Mitglieder an MySpace vorbeizog, versuchte Murdoch sich von Facebook abzugrenzen. Während Facebook versuchte das soziale Leben einer Person von der Realität ins Internet zu bringen, versuchte man bei MySpace ein soziales Netzwerk zu entwickeln, welches parallel zum eigentlichen Leben der Nutzer ablaufen sollte. So waren Fake-Accounts bei MySpace irrelevanter und die Vernetzung mit anderen wurde dem Einstellen neuer multimedialer Inhalte zurückgestellt. Weitere Gründe für den Untergang von MySpace: ein geschlosseneres System im Vergleich zu Facebook und das individuell erstellbare Design der eigenen Profilseite, welches zu Inkonsistenz im Erscheinungsbild führte (und dabei fast immer schei*e aussah).

Im Januar 2011 entließ Murdoch die Hälfte aller MySpace-Angestellten. Grund war die schlechte Bilanz im Jahr 2010 – hervorgerufen durch Mitgliederschwund. Im März 2011 besaß MySpace nur noch 63 Millionen Mitglieder.

MySpace Startseite am 30. Juni 2011

MySpace Startseite am 30. Juni 2011

Sechs Jahre nach Murdochs Übernahme verkauft der Medienmogul MySpace für magere 35 Millionen Dollar an den eher unbekannten Werbekonzern Specific Media. (Warum unbekannt? Sie haben nicht mal eine Wikipediaseite…) Mit an Bord soll Justin Timberlake sein. Es ist anzunehmen, dass Specific Media mit Justin Timberlake als Unterstützung MySpace weiter weg vom sozialen Netzwerk hin zu einem Musikdienst entwickeln wird.

Und wo steht Facebook mittlerweile? Angeblich bei einem Börsenwert von 50 bis 100 Milliarden Dollar

Bleibt die Frage, ob Facebook irgendwann auch von einem jüngeren, attraktiveren Netzwerk abgelöst wird. Vielleicht ja von Google+…?



Kommentare (1)

Stephan R.

geschrieben am 1. Juli 2011 um 22:06

der timberlake steckt ja überall,
erst napster, dann facebook jetzt myspace!!! ;D