Jailbreak ja, raubkopierte Apps nein
geschrieben am 26. Juni 2011 um 14:02 von Enno
Ich erzähl euch mal ein kleines Märchen.
Befreiung aus dem Apple-Gefängnis durch den Jailbreak
Es war einmal ein Tag wie jeder andere. Ein kleiner Hobby-Hacker namens geohot saß in seinem Kämmerlein und dachte sich: “Jetzt habe ich mein iPhone. Schon cool. Aber Apple bestimmt über den AppStore, welche Apps ich installieren kann und welche nicht. Das stinkt. Es ist mein Gerät. Ich will bestimmen können, was ich drauf packe und was nicht.”
Gesagt, getan. Ein paar Wochen später steht der erste Jailbreak für iOS-Geräte. Dabei erhält man durch das Ausnutzen von Sicherheitslücken im iOS Zugriff auf das Dateisystems der Apple-Geräte. Durch den Cydia-Store kann man sich installieren, was man möchte. Sehr gut.
Installous als Start der App-Raubkopie
Es war einmal ein anderer Tag wie jeder andere. Ein kleiner Hobby-Hacker namens puy0 saß in seinem Kämmerlein und dachte sich: ”Jetzt habe ich mein iPhone mit Jailbreak. Schon cool. Aber wenn ich kostenpflichtige Apps haben möchte, muss ich sie bezahlen. Das stinkt. Zu Hause hab ich doch auch die komplette Adobe Creative Suite und hab nix für bezahlt. Ich will bestimmen, was ich bezahle und was nicht.”
Gesagt, getan. Ein paar Wochen später gibt es Installous. Eine App, über die man zentral Links zu allen gecrackten Apps finden kann. Auf diese Art und Weise kann man sich zahllose Apps installieren, ohne je einen Cent dafür zu bezahlen. Sehr gut.
Jailbreak doch lieber ohne Installous
Es war einmal ein sehr, sehr trister Tag wie kaum ein anderer. Ein kleiner Hobby-Hacker namens i0n1c saß in seinem Kämmerlein und dachte sich: “Jetzt habe ich mein iPhone mit Jailbreak und Installous. Schon cool. Aber cooler wäre, wenn ich gleich bei Apple arbeiten würde. Peter Hajas hat es ja auch vom Entwickler in der Jailbreak-Szene zu einem Job bei Apple geschafft. Das kann ich auch. Um mir ein paar erste Sympathien zu erschleichen, befürworte ich einen Jailbreak mit Aussperrung von Installous.”
… und die Moral von der Geschicht’…
Nur um das mal deutlich zu machen: zuerst war die Idee da, der Besitzer eines iPhones sollte mit seinem Gerät machen dürfen, was er wollte. Löblich. Daraufhin haben sich unter anderem Leute wie i0n1c selbst hingesetzt, um dies zu realisieren.
Jetzt – nach fast 3 Jahren – stellen äußerst clevere Leute auf einmal fest, dass die App-Entwickler kein Geld mehr für ihre Apps kriegen, wenn sich alle die Dinger nur noch kostenlos über Installous saugen. Allgemeine Empörung und das dringende Bedürfnis diesen Missstand (3x “s”!!!) zu beseitigen.
Das Beste daran ist, dass i0n1c selbst durch gefundene Schwachstellen iOS den Jailbreak für die Versionen 4.3.1, 4.3.2 und 4.3.3 erst ermöglicht hat. Er hat aktiv zum Umgehen von Apples Restriktionen beigetragen. Jetzt aber verstößt er selbst gegen das Prinzip der freien Benutzung des iPhones und möchte dahingehend Restriktionen einführen, dass Installous bei einem Jailbreak ausgesperrt wird. Was geht?
Der Volksmund bezeichnet das als “Schizophrenie”. [Klugscheißer-Modus] Korrekterweise müsste es aber “Multiple Persönlichkeitsstörung” heißen.[/Klugscheißer-Modus] Für mich lag, wie bereits beschrieben, ein möglicher Grund für diese Aussagen an einem Jobwunsch bei Apple
. Wie sich aber herausstellt, wollte i0n1c nur ein bisschen provozieren. Er ist der Ansicht, dass viele seine Arbeit nur dafür missbrauchen, um gecrackte Apps zu saugen. Und der beste Weg, um solche Leute gehörig vor den Kopf zu stoßen, wäre eben das Trollen.
Mein Senf
Er hat sein Ziel erreicht. Neben mir haben sich sicher auch einige Andere über diese Aussage aufgeregt. Und auch wenn diese Diskussion komplett inszeniert war, bietet sie eine Grundlage, um ein Thema aufzugreifen: darf man Apps raubkopieren?
Meine Meinung dazu? Ja.
Grundsätzlich sind Apps ein Stück Software und demnach genauso zu betrachten wie Software für PC & Co. Ich bin der Ansicht, dass Entwickler für Arbeit, Fleiß und Herzblut belohnt werden müssen. Nichtsdestotrotz möchte ich bestimmen, in welchem Rahmen. Ich möchte die Möglichkeit haben, die App zu testen. Niemand kauft gern die Katze im Sack. Wenn ich Software für gut genug befinde, um den vom Entwickler geforderten Preis zu bezahlen, dann tue ich das auch.
Mich interessiert nun mal wieder, wie andere dazu denken. Lasst uns ein bisschen diskutieren!. Überflutet den Kommentar-Bereich!
via Macnews.
Ein sehr heikles Thema. Generell bin ich gegen Raubkopien und plädiere für differenziertere Endpreise (Schüler-/Studentenversionen, etc.) und Testversionen. Der Vorteil eines geschlossenen digitalen Distributionskanales ist es, dass der jeweilige Anbieter bestimmen könnte, dass es für jede App eine Testversion geben muss. Das macht bspw. Microsoft bei Xbox Live Arcade. Ein sehr gutes System wie ich finde. Da braucht man nicht (oder kaum) befürchten die Katze im Sack zu kaufen. Ganz im Gegenteil. Man testet noch häufiger andere Programme an, weil es so schön schnell und einfach ist. Beim Android Market gibt es eine 24 Stunden Rückgaberecht für gekaufte Apps. Die Rückgabe soll wohl sehr unproblematisch ablaufen. Habe es aber selbst noch nicht getestet. 24 Stunden finde ich nicht extrem viel, aber wenigstens ist es etwas. Bietet der AppStore eigentlich etwas ähnliches an?