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Software

Eine sexy Alternative zu Apple Mail, Thunderbird & Co: Sparrow

geschrieben am 3. Juni 2011 um 18:41 von Enno

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich drauf gekommen bin, aber ich habe mir neulich Sparrow aus dem Mac App Store geladen. Es sah unglaublich hübsch aus und auch das offizielle Video hat Lust auf mehr gemacht.

Sparrow eignet sich eigentlich nur für Gmail-Accounts. Es adaptiert das Prinzip von Gmail (Kombination aus Labels und Archiv statt dem klassischen Ordnersystem) und bewirbt sich selbst auch als solchen. Zwar funktioniert prinzipiell jeder IMAP-Server, aber wie gesagt: ein wirklicher Flow entsteht wohl nur bei der Verwendung einer Gmail-Adresse. POP3 scheint übrigens außen vor.

Das Interface – damn hot

Wie oben schon angedeutet: ich mag das Look and Feel von Sparrow. Es erinnert stark an den offiziellen Twitter Client für Mac.

Sparrow-UI

Sparrow-UI

Es ist gespickt mit schicken Animationen und alles ist in einem Apple-typischen, schlichten, sexy Design gehalten.

Interface mit Nachrichtenbereich

Interface mit Nachrichtenbereich

Ich habe zu meinen Windows-Zeiten Thunderbird benutzt, bin mit Erwerb meines MacBooks auf Apple Mail umgestiegen und war eigentlich auch immer zufrieden. Da ich also nun Umsteiger von AppleMail zu Sparrow bin, werde ich immer Vergleiche zwischen diesen beiden Programmen ziehen.

User-Icons

Was mir also erstmal wesentlich besser gefällt ist die Anzeige eines Postfachs. Standardmäßig sieht man ein User-Icon des Senders (aus dem Adressbuch oder aus Facebook!), den Titel sowie die ersten paar Zeilen der Mail. Letzteres habe ich aber deaktiviert, weil es mir keinen wirklichen Mehrwert bringt. Wem das User-Icon auch unnütz erscheint, kann die Anzeige dessen ebenfalls deaktivieren.

Scrollbars

Schön finde ich auch die Scrollbars. Diese sind vom iOS bzw. der kommenden Version des Mac Betriebssystems „Lion“ abgeguckt. Sie erscheinen nur beim Scrollen und sind schön unaufdringlich.

Scrollbalken beim Verfassen einer Mail

Scrollbalken beim Verfassen einer Mail

Hier seht ihr übrigens auch die Einzelansicht einer Mail.

Was kann Sparrow so?

So ziemlich alles, was man von einem Mail-Client heutzutage erwarten würde.

Blöde Antwort für ein Review? Ist richtig. Ich möchte hier aber eher herausstellen, was Sparrow besser kann als Apple Mail und vor allem: was total reudig ist. Sollte am Ende noch eine Frage offen bleiben, gibt’s ja die Kommentare 😉

Was kann Sparrow besser?

Antworten auf eigene Mail mit richtigen Empfängern

Schon ziemlich am Anfang ist mir eine Sache aufgefallen, die für die meisten unter euch Pillepalle sein wird, mich aber schon oft an anderen Programmen genervt hat. Man stelle sich das folgende Szenario vor: Ich schreibe Hans, Horst und Heinz eine Mail. Schwafele darin irgendwas davon, wie toll ich doch meinen eigenen Entwurf dieser und jener Webseite finde. Ich lese nochmal drüber, bin zufrieden und schicke die Mail ab. Was passiert standardmäßig? Richtiiiiig, Anhang vergessen dranzuhängen.

Um nicht alle 3 Mail-Addressen von Hans, Horst und Heinz erneut eintippen zu müssen, gehe ich in den Gesendet-Ordner, suche die eben verschickte Mail und drücke auf „Antworten“. Ich erwarte: in der Empfängerliste stehen wieder Hans, Horst und Heinz. Ich bin es aber leider gewohnt, dass ich selbst als einzige Empfänger angezeigt werde.

Von der Denke her ist das ja an sich ganz logisch. Antworten heißt eine Mail an den Sender zu schicken. Da ich der Sender der Mail war, muss ich folgerichtig nun der Empfänger sein… Computerlogik. Wie gesagt, es ist logisch, aber nicht intelligent.

An dieser Stelle setzt Sparrow ein. Sparrow erkennt, dass die Mail von mir ist, denkt sich, dass ich mir in meiner Freizeit wohl kaum selbst Mails schicken möchte, und setzt erneut Hans, Horst und Heinz als Empfänger ein. Fein!

Formatierungstools

Außerdem ist die Leiste der Formatierungs- bzw. Bearbeitungstools recht gelungen. Nur das Nötigste, unaufdringlich, Lob!

Formatierungstools beim Verfassen einer Mail

Formatierungstools beim Verfassen einer Mail

Was stört mich an Sparrow?

Ehrlich gesagt: eine ganze Reihe kleiner Sachen. Die sind zwar allesamt nicht kriegsentscheidend, jedoch derart relevant, dass ich sie mir notiert hab. Ich hoffe, dass vieles davon lediglich Kinderkrankheiten sind, die in Folge regelmäßiger Updates verschwinden.

Growl Notifications

Sparrow unterstützt Growl Notifications. Cool. Ich habe allerdings schon erlebt, dass beim ersten Klick auf so eine Benachrichtigung nichts passiert. Die Male lassen sich an einer Hand abzählen, ist aber schon mehr als einmal passiert und deshalb ein Bug.

Facebook-Avatare

Sparrow unterstützt ebenso das Anzeigen von Facebook-Avataren. Dazu muss man Sparrow die nötigen Permissions einräumen (kennt man ja von anderen Facebook-Apps). Bei Erfolg wird neben einer Mail von Max Mustermann dann sein Facebook-Profil-Bild angezeigt. Allerdings passieren dabei auch ab und zu Fehler.

Manchmal wird kein Avatar angezeigt, obwohl der Betreffende ein Facebook-Profil hat. Das kann allerdings auch daran liegen kann, dass das jeweilige Facebook-Mitglied eine andere Mail-Adresse bei Facebook selbst hinterlegt hat. Dann fehlt Sparrow natürlich ein Anhaltspunkt und somit kann das Ganze nicht funktionieren.

Es wurden allerdings auch schon falsche Avatare – also von jemand völlig fremden – angezeigt. Uncool.

Conversations

Da Sparrow wie gesagt ziemlich auf Gmail-Kunden abzielt, werden natürlich auch Conversations unterstützt. D.h. wenn Mailverkehr hin und her geht, wird das auch entsprechend dargestellt, um alle vorhergehenden Mails im Auge zu haben.

Dabei kommt es allerdings auch mal vor, dass man nicht auf die jüngste Mail der Conversation antworten möchte. Stattdessen will man einen Sachverhalt aufgreifen, der 2 Mails vorher schonmal besprochen wurde.

Man sucht sich dann die entsprechende Conversation raus, markiert die Mail, auf die man Antworten will und muss (!) den im Screen eingekreisten Button drücken, um auch wirklich auf die gewünschte Mail zu antworten.

Conversations - mit an Bord

Conversations - mit an Bord

Warum muss man das? Leider bezieht sich der Tastatur-Shortcut für’s Antworten (⌘ + R) nur auf die jüngste Mail. Er kann also nicht auf eine spezielle Mail der Conversation angewendet werden 🙁

Einen Shortcut-Junkie wie mich nervt sowas tierisch.

Statusleiste

Um zu erkennen, womit Sparrow gerade beschäftigt ist, gibt es eine Statusleiste. Das haben die Jungs und Mädels zwar gut gelöst, allerdings gibt’s da einen Darstellungsfehler. Normalerweise sieht die Statusleiste in etwa so aus:

Statusleiste - Inhalt drüber fadet ins Weiße, Status ist gut lesbar

Statusleiste - Inhalt drüber fadet ins Weiße, Status ist gut lesbar

Gelegentlich kommt es aber zu einem Darstellungsfehler bei dem in der Region um die Statusleiste eine schwarze Linie flackert oder auch mal persistent an einem Fleck bleibt… auch wenn gar kein Status vorhanden ist.

Darstellungsfehler in der Statusleiste

Darstellungsfehler in der Statusleiste

Unmoderne Form der Aktualisierung

Ihr kennt das sicherlich von Facebook: ihr schaut euch Kommentare zu einem Statusupdate eines Freundes an. Jetzt wollt ihr selbst euren Senf dazugeben. Also schreibt ihr einen Kommentar, drückt Enter und schon erscheint euer Kommentar unter denen eurer Vorredner – und zwar ohne Neuladen der ganzen Seite. Bei Sparrow ist das leider anders.

Wenn zu einer Conversation eine neue Nachricht hinzukommt wird man benachrichtigt.

Benachrichtigung bei neuer E-Mail

Benachrichtigung bei neuer E-Mail

Diese Benachrichtigung an sich ist ja ok. Schlimm ist allerdings das bei Klick auf den Hinweis nicht einfach die Nachricht smooth per Animation der Conversation hinzugefügt wird. Nein, die Conversation wird neu geladen. Das ist hässlich, unmodern und vor allem gehen wertvolle Sekunden verloren. Dadurch wird das sonst so schnelle Arbeitstempo gebremst.

Was geht mal gar nich?

Als ich Sparrow nach einem Reboot mal gestartet hat, hat es eeeeeewig gedauert, bis es bereit zum Arbeiten war. Wirklich kaum ertragbar. Ich weiß nicht, woran das gelegen hat. Ist aber eine Sache, die unbedingt verbessert werden sollte.

Außerdem: wenn ich eine Mail lese und antworten möchte, benutze ich den oben bereits erwähnten Shortcut ⌘+ R. Dabei erscheint ein Fenster, allerdings per Animation. Das Ganze ist zwar schick, allerdings ist während der Animation keine Tastatureingabe möglich. Das führt dazu, dass ein ungeduldiger Enno schon mal die Antwort eintippt, obwohl Sparrow noch mit Animieren beschäftigt ist und keine Tastatureingabe entgegen nimmt. Auf einmal beginnt die Antwort dann mit „hr geehrter Herr Mustermann“. Ihr seht richtig, die ersten beiden Buchstaben werden nicht genommen, man muss zurück und korrigieren. Zeitfressend.

Fazit

Obwohl beim Lesen des Artikels schnell klar wird, dass Sparrow einige Macken vorzuweisen hat, werde ich nicht wieder zu Apple Mail wechseln. Dafür fühlt sich die Arbeit mit Sparrow einfach zu gut an.

Wünschenswert wäre noch eine bessere Automatisierung der Labels. Man sollte Regeln aufstellen können in der Form „Neue Mails von ‚enricoschlag@gmail.com‘ bekommen automatisch das Label ‚Enno'“. Das würde nochmal eine enorme Zeitersparnis bringen.

Ansonsten vermute ich, dass die Leute, die für ihre Mails eh schon immer auf das Web-Interface von Gmail zurück gegriffen haben, keinen großartigen Mehrwert bei Sparrow finden werden. Ich habe selbst immer auf Desktop-Clients zurückgegriffen, deswegen kann ich es wirklich nur vermuten.

Wie gesagt, ich finde es unglaublich schick und es macht einfach Spaß. Jedoch kostet das Ding ja auch 8 Euronen.

Natürlich gibt es auch eine Demo-Version. Allerdings ist diese beschränkt auf einen Account. Weiterhin scheint Push in der Demo nicht zu funktionieren und auch manche Einstellungen sind nicht zu finden. Beispiel:

erweiterte Einstellungen - links Vollversion, rechts Demo

erweiterte Einstellungen - links Vollversion, rechts Demo

Wie gesagt: falls noch Fragen offen sind, helfe ich so gut ich kann. Einfach ab in die Kommentare damit. Es will ja keiner, dass ihr sinnlos Geld rausschmeißt für ein Programm, dass ihr eigentlich nicht wollt 😉

Also Fazit: Wer’s kann, probiert’s aus.



Kommentare (1)

Skitch: einfaches Bearbeiten von Screenshots & Co | iEnno

geschrieben am 26. März 2012 um 13:59

[...] beiden Tools dann nicht ins Gehege kommen. Jedoch ist ⌘⇧7 auch für das Anzeigen der Labels in Sparrow verantwortlich. Beide Programme gleichzeitig offen führt also mitunter zu Frustration, insofern [...]